Gothic

Allgemein zum Thema Gothic an sich

Text: Copyright by Deva Matisa
Quellen: Deva Matisa, Gothic - Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Unter dem Begriff Gothic wird sowohl eine bestimmte Szene als auch eine Lebensphilosophie verstanden.
Die Gothic-Kultur ist eine vielseitige Subkultur, die ab Anfang der 1980er Jahre stufenweise aus dem englischen Punk- und New-Wave-Umfeld hervor ging und sich aus mehreren Splitterkulturen zusammensetzt.
Die Gothic Kultur oder Szene existierte in den 1980er und 1990er Jahren im Rahmen der Dark-Wave-Bewegung und bildet gegenwärtig den Hauptbestandteil der so genannten "Schwarzen Szene".

Während die Gothic-Szene in England nach ca. drei Jahren schon wieder abebbte, wurde sie in Deutschland von ihren Protagonisten zur Blüte und Vervollkommnung vorangetrieben. Wir selbst (in Deutschland) nannten uns „Grufties“ oder "Grufte“ auch „Schwarzkittel“ und "Schwarzromantiker“ oder Edelpunk. Der Begriff „Grufti“ wurde jedoch größtenteils aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verdrängt, da er sich grundsätzlich auf die Gothic-Generationen der 1980er und frühen 1990er Jahre bezieht. Heute ist eher die Bezeichnung „Gothic“ entsprechend oder wird auf sich selbst angewandt.

Als Jugendliche hatte ich mir damals die Große Ehre selbst "verpasst", eine der ersten Gothics in Berlin zu sein. Die Erscheinung des "Goth" faszinierte mich von Anfang an und die Musik tat ihr übriges. Die New Romantics waren genauso Bestandteil der Szene. Jedoch beschränkte sich der New Romantic Stil auf eine futuristisch, neo-romantische Mode mit einer starken Neigung zur Androgynität.

Eines der wichtigsten Merkmale des Gothsein ist die durchweg friedfertige Gesinnung der Anhänger.
Oft schlenderten wir so es ging in DEN Szeneladen in Berlin: Linientreu am Kurfürsten Damm. Hier, unter anderem, traf sich hauptsächlich die Fangemeinde der Gothics, der Rockebillys und der Punker. Jede Fangemeinde tanzte zu immer den gleichen Songs. Denn erstaunlicherweise war auf den DJ immer verlass, dass man sogar die Uhr danach stellen konnte welches Lied und Interpret denn dem nächsten folgen sollte. Die Musik war und ist dunkel und melancholisch und/oder wütend aufreibend. Nur um hier einige zu nennen: The Cure , Billy Idol, The Clash, Depeche Mode, Siouxsie and the Banshees auch David Bowie, Bauhaus, Human League, Sisters Of Mercy.
Schnell entstanden neue passende Musikrichtungen zu der „neuen“ Szene. Z. B. Wave Rock, Punk Crossover, Independent, Dark Wave später auch Industrial, Neofolk usw. Viele vormals gegensätzliche Musikrichtungen sind mittlerweile verschmolzen und neue Richtungen sind entstanden.

Die Gothic-Kultur ist eine der meist missverstandenen Kulturen, weil sie so schwer einzuordnen ist. Die Schwarze Szene besitzt eine individuelle schwarze Gedankenlandschaft. Diese ist geprägt vom Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem Hinterfragen der gesellschaftlichen Normen, Vorgaben und Neuerungen. In Lyrischen, meist selbst verfassten Gedichten und Versen versuchen sich die Anhänger in dieser Welt selbst zu definieren und diese zu erforschen. Den Sinn des Lebens zu finden und auf sich zu interpretieren ist einer der Antriebsfedern des Gothsein. Das Gothsein war immer mehr oder weniger mit dem morbiden verknüpft. Ging es doch im Selbstfindungsprozess auch um das Werden und Vergehen des Lebens. Die Idee vom Tod ist ein heimlicher Begleiter und Inspirateur des Goth.
In seinem Schlepptau befindet sich eine schillernd schwarze Person. Der Vampir. Der Vampir und seine daraus resultierenden Einflüsse auf Kunst, Musik, Literatur und Outfit auf die „Schwarzkittelszene“ ist mittlerweile nicht mehr weg zu denken. Nachdem die Figur des Vampir out und zu benutzt war fand er eine Neubelebung durch den Song: „Bela Lugosi´s Dead“ (1979) von der Gruppe Bauhaus. Von da ab an, war er fester Bestandteil in den meisten Köpfen der Goth´s.

Gothics haben in der Regel ein vermehrtes Interesse an der Mystik, der Magie, dem Heidentum und dem okkultem. Aufgrund des Tragens von sog. heidnischen Symbolen, christlichen oder magischen Symbolen, werden Gothics oft als Satansanhänger gesehen oder bezeichnet. Dies entspricht generell nicht dem Ansinnen der Gothics. Für den Goth geht es eher um das modische Spiel einer tiefschwarzen Verinnerlichung. Außenstehende empfinden das Tragen von unterschiedlichen Symbolen eher als eine Provokation.

Die Szene selbst ist wie kaum eine andere in sich differenziert und selbst für Insider kaum mehr zu überschauen. Die jetzige schwarze Szene hat mittlerweile kaum mehr etwas mit der Gothic-Kultur der 1980er und 1990er zu tun. Sie nährt sich zwar aus diesen Wurzeln kann aber heutzutage keinesfalls, aus verständlichen Gründen, mit ihr verglichen werden. Trotzdem bringt auch sie neue Richtungen und Impulse. in Musik, Tanzstil, der Mode, der Kunst und Literatur.